Ich erwartete keine Offenbarung. Nach 13 Monaten erwartest du gar nichts mehr. Du machst einfach weiter, weil die Alternative — aufhören — noch schlimmer ist.
Die Tropfen morgens ins Wasserglas. Geschmack: mild, kräuterig. 30 Sekunden. Fertig.
ÜZ 14 (Woche 2-3 mit Glow & Grow):
Das Erste, was mir auffiel, war mein Schlaf. Ich schlief durch. Nicht jede Nacht. Aber öfter als in den letzten Monaten. Die Nächte, in denen ich um 3 Uhr wach lag und an Zyklen dachte, wurden seltener.
Und mein PMS — das ich nie als dramatisch empfunden hatte, aber das immer da war — war plötzlich weg. Kein Brustspannen. Keine Reizbarkeit fünf Tage vor der Periode. Einfach nichts.
Ich sagte mir: Zufall. Kann passieren.
ÜZ 15 (Woche 5-6 mit Glow & Grow):
Meine Periode kam pünktlich. 28 Tage. Wie immer.
Aber die Blutung selbst war anders. Gleichmäßiger. Kürzer. Weniger Klumpen. Mein Körper fühlte sich geordneter an — als ob etwas, das immer leicht neben der Spur war, endlich eingerastet wäre.
Das war das Merkwürdige: Mein Zyklus war vorher schon „normal." Aber jetzt fühlte er sich BESSER an als normal. Als ob der Unterschied zwischen „funktioniert" und „funktioniert optimal" etwas ist, das du spürst, bevor ein Test es zeigt.
ÜZ 15 (Woche 7-8 mit Glow & Grow):
Mein Ovulationstest zeigte den stärksten LH-Anstieg, den ich je gesehen hatte. Normalerweise war die Testlinie ungefähr so dunkel wie die Kontrolllinie — positiv, aber nicht dramatisch. Diesmal war sie deutlich dunkler. Mein Körper sendete das lauteste Signal seit 15 Monaten.
Meine Mutter sagte beim Telefonieren: „Du klingst so anders. So ruhig."
Ich sagte: „Ich bin ruhig." Und meinte es.
Nicht resigniert-ruhig. Nicht aufgegeben-ruhig. Sondern ruhig auf eine Art, die ich seit dem ersten negativen Test nicht mehr gekannt hatte. Als ob mein Nervensystem zum ersten Mal seit über einem Jahr runtergefahren wäre.
ÜZ 16 (Tag 86 mit Glow & Grow):
Ich stand morgens im Bad. Test in der Hand. Dieselbe Routine wie 15 Mal zuvor.
Aber diesmal, zum ersten Mal, ohne das Würgen im Hals. Ohne die Panik. Einfach ruhig.
Zwei Linien.
Klar. Deutlich. Unmissverständlich.
Kein „Linie oder keine Linie?" Kein Raten. Kein Foto ans Forum schicken und um eine zweite Meinung bitten.
Zwei Linien.
Ich stand da und verstand nicht sofort, was ich sah. Nicht weil die Linien undeutlich waren. Sondern weil mein Gehirn nach 15 negativen Tests nicht mehr damit gerechnet hatte.
Ich ging ins Schlafzimmer. Mein Mann schlief noch. Ich setzte mich auf seine Bettkante und legte den Test auf sein Kopfkissen. Er öffnete die Augen, sah den Test, sah mich an — und bevor er ein Wort sagen konnte, sah ich, dass er es verstanden hatte.
Beim Ultraschall — zwei Wochen später — saß ich in derselben Kinderwunschklinik. Dieselbe Ärztin, die mir IVF empfohlen hatte.
Sie schaltete das Gerät ein. Gel auf den Bauch. Und dann — der Herzschlag.
Sie schaute auf den Bildschirm. Dann schaute sie in meine Akte. Dann schaute sie mich an.
„Frau S., als Sie das letzte Mal hier waren, hatten wir über IVF gesprochen. Sie haben den Termin nicht wahrgenommen."
„Nein."
„Haben Sie in der Zwischenzeit etwas verändert?"
Ja. Ich hatte etwas verändert. Nicht einen einzelnen Faktor. Das Gesamtbild.