Sie zählte die Follikel. Einmal. Nochmal. Dann schaute sie mich an.
„Elf Follikel. Gute Größe. Homogenes Wachstum."
Elf. Beim letzten Mal drei. Beim ersten Mal vier.
„Was machen Sie anders?" fragte sie.
Ich erzählte ihr von den Tropfen. Von der Absorption. Von der Zahnärztin.
Sie nickte. Langsam. „Macht Sinn. Flüssige Form wird direkt über die Schleimhäute aufgenommen. Umgeht den Verdauungstrakt. Deshalb funktioniert es."
Und dann sagte sie etwas, das mich gleichzeitig erleichterte und wütend machte: „Das ist in der Pharmazie längst bekannt. Deshalb gibt es so viele Medikamente als Tropfen."
Längst bekannt.
Zwei Jahre lang hatte ich 450 Euro im Monat für Kapseln ausgegeben. Zwei gescheiterte IVF-Zyklen à 12.000 Euro. 24.000 Euro plus über 10.000 Euro für Supplements. Und die Information, dass Kapseln zu 80% nicht wirken, war „längst bekannt."
Aber niemand hatte es mir gesagt. Nicht mein Reproduktionsmediziner. Nicht mein Frauenarzt. Nicht die Firma, die mir CoQ10-Kapseln für 89 Euro verkauft hat.
Dritte Punktion. Woche 10.
Hormonstimulation. Diesmal weniger aggressiv, weil mehr Follikel da waren.
Ergebnis: 11 Eizellen entnommen. 8 reif. 6 normal befruchtet.
Erste Punktion: 4 entnommen, 2 reif, 1 befruchtet. Zweite Punktion: 3 entnommen, 2 reif, 1 befruchtet. Dritte Punktion: 11 entnommen, 8 reif, 6 befruchtet.
Meine Ärztin war schockiert. Ich nicht.
Denn es war nicht mein Körper, der sich verändert hatte. Es waren nicht meine Eizellen, die plötzlich besser waren. Es war nicht mein Alter, das sich umgekehrt hatte.
Es war die Menge an Nährstoffen, die zum ersten Mal tatsächlich dort ankam, wo sie gebraucht wurde.
Dieselben Wirkstoffe. Andere Form. Und plötzlich hatte mein Körper das Material, um zu tun, was er immer tun wollte.
Transfer. Und zwei Wochen später:
Zwei Linien.
Klar. Deutlich. Zum ersten Mal nach über zwei Jahren und 36.000 Euro.
Ich bin jetzt in Woche 16. Alles verläuft gesund.
Und ich trinke jeden Morgen Kaffee. Mit den zwei Pipetten Glow & Grow drin.